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Jährliches Gruppentreffen vom 15. – 17.05.2020

Gruppentreffen des Vereins mit Erfahrungsaustausch, Kinderbetreuung und Seminar in Duderstedt.

Gruppentreffen des Vereins mit Erfahrungsaustausch, Kinderbetreuung und Seminar in Duderstedt.

Phosphatdiabetes Selbsthilfe e.V.
access_timeVerfasst am 17. März 2019 um 7:37 von Phosphatdiabetes e.V.

Zahngesundheit bei Phosphatdiabetes

Beim diesjährigen Gruppentreffen durften wir unter anderem Herrn Dr. med. dent. Hanisch als Referenten begrü-ßen. In dem Vortrag ging es um die zahnmedizinischen Besonderheiten, die die Erkrankung Phosphatdiabetes mit sich bringt und die damit einhergehenden Schwierigkeiten in der korrekten Prophylaxe und Behandlung.

Eingangs berichtet Dr. Hanisch über die generelle Problematik für Betroffene von seltenen Erkrankungen. Vor allem der Zeitraum zwischen auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnosestellung sei sehr lang. Dies deckt sich mit den Erfahrungen der Anwesenden. Außerdem sei der OHIP-Score („Oral Health Impact Profile“, ein Messinstrument zur Erhebung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität) bei Phosphatdiabetikern sehr hoch. Ein hoher Wert ist gleichbedeutend mit einer schlechten mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität.
Dr. Hanisch ist zudem Mitbegründer von ROMSE e.V. (romse.org). Ein gemeinnütziger Verein, der unter anderem eine Datenbank für seltene Erkrankungen mit Auswirkungen in der Mundhöhle führt.
Die Hoffnung liege darauf, dass eine bessere Versorgung von Betroffenen durch das Gesundheitssystem erwirkt werden kann. Auch die Ergebnisse der von Dr. Hanisch mitinitiierten Studie sollen dazu beitragen.
Weitergehend wurde eine Spezialsprechstunde für Menschen mit einer seltenen Erkrankung mit oraler Beteili-gung ins Leben gerufen. Bei Kontaktwunsch können Betroffene sich gerne an Dr. Hanisch oder Martha Kirchhoff wenden.

Dr. Hanisch leitet weiter zum Thema Zahngesundheit bei Phosphatdiabetes.
Bei Phosphatdiabetikern gebe es die anatomische Besonderheit, dass die Pulpahöhlen häufig vergrößert seien und somit teilweise bis an die Schmelz-Dentin Grenze reichen würden. Dadurch sei der Zahnnerv häufiger von Infektionen betroffen. Oft auch ohne äußerlich ersichtliche Ursache, wie zum Beispiel eine Karies.

Prophylaxe:

  • Zahnreinigung. Ohne Ultraschall, ohne Salzstrahlgerät, da dies den Zahnschmelz auf Dauer zu sehr ab-tragen würde. Möglichst also nur Zahnstein entfernen und polieren. Die Zahnreinigung sollte nicht zu oft erfolgen. Je nach Belag und Mundhygiene etwa 1-3x jährlich.
  • Röntgenbilder: Es sollten bei Beschwerdefreiheit keine prophylaktischen Röntgenbilder gemacht werden.
  • Mündspülung: Nicht zu häufig. Denn auch die physiologisch sinnvollen Bakterien werden abgetötet. Um die biologisch gesunde Mundflora zu erhalten, sollten Mundspülungen nur bei entsprechender Indikation angewendet werden.
  • Fluorid auftragen: Auch hier ist das richtige Maß von entscheidender Bedeutung. Zu viel ist schädlich. Es kann z.B. Elmex Gelee, auch bei Kindern, 1x wöchentlich angewendet werden. ACHTUNG: Nicht schlucken, Vergiftungsgefahr.

Dem Vortrag schloss sich eine offene Fragerunde an. Frau Dr. Hanisch wurde als Kieferorthopädin mit hinzu gezogen. Ein wichtiges Thema war hier die Versorgung mit einer Zahnspange. Viele Betroffene hatten zu diesem Zeitpunkt unterschiedlichste Meinungen dazu von ihren Zahnärzten erhalten.
Eine wichtige Rolle spiele, laut Dr. Hanisch, dabei die Wahl der Brackets. Es sollen möglichst keine Keramik-Brackets verwendet werden. Diese ließen sich schwer lösen, was zu einer Beschädigung des Zahnschmelzes führen könne. Generell sollten die Brackets stets sehr vorsichtig gelöst werden und die Zahnpflege sei beson-ders bei Zahnspangenträgern von hoher Bedeutung. Auch sollte in Einzelfall eine Aligner-Therapie (Schienenthe-rapie) erwogen und bei der Krankenkasse als Einzelfallentscheidung beantragt werden.

Viele der Teilnehmer, äußerten, dass der Vortrag von Dr. Hanisch Licht ins Dunkle gebracht habe. Wir danken Dr. Hanisch für sein Engagement und sind sehr froh, dass sich dem Thema „Mundgesundheit bei Phosphatdiabetes“ angenommen wird. Wir selbst erleben, dass dies einen großen Einfluss auf die Lebensqualität hat.
Wir hoffen auf eine weitere zukunftsorientierte und positive Zusammenarbeit.